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A. Warburton

Fürstenfeldbrucker Tagblatt vom 16.12.2002

Überreste von Kriegspiloten im Acker entdeckt

Corinna Erhard

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Egling an der Paar - Nach 58 Jahren haben Historiker das Geheimnis um einen vermissten legendären Aufklärungspiloten gelüftet: Der berühmte britische Wing-Commander der Royal Air Force, Adrian Warburton, stürzte am 12. April 1944 mit seiner P-38 Lightning in Egling an der Paar (Landkreis Landsberg) ab. Überreste wurden jetzt in einem Acker entdeckt.

Nur unsere Ausgrabung konnte das Rätsel um das Schicksal des Vermissten lösen, sagt Anton Huber stolz. Zwei Jahre lang hatten der Landsberger Kreisheimatpfleger und der Historiker Pankraz Fried Nachforschungen betrieben und im August dieses Jahres mit einigen Archäologiestudenten Ausgrabungen vorgenommen, um den Hintergründen des Absturzes von 1944 auf den Grund zu gehen.
Der Anstoß dazu kam von dem Militärhistoriker Frank Dorber aus Wales, der bei seiner jahrelangen Suche nach der Absturzstelle des Piloten aus dem Zweiten Weltkrieg über Umwege Kontakt mit Fried aufgenommen hatte.

Adrian Warby Warburton auf Malta.

Bei dem professor aus Heinrichshofen stieß er sofort auf offene Ohren, schließlich handelte es sich nicht um irgendeinen Kriegspiloten. Warburton - seine Kollegen nannten ihn Lawrence von Arabien der Lüfte - galt als der wertvollste Pilot der Royal Air Force, der auch zwei Versuche unternommen hatte, den Nazi-General Erwin Rommel zu entführen. Als erster spezialisierter Foto-Aufklärer bereitete er fast allein die Invasion auf Sizilien im Juli 1943 vor.

Knochen untersucht

Von einem Aufklärungsflug über Deutschland kehrte der Brite nie zurück. Wie bei einem Puzzle fügten Huber und seine Forschungsgruppe Fundstücke, Augenzeugenberichte und Informationen über den damals 26-jährigen Piloten zusammen. Was an diesem 12. April 1944 genau geschah, bleibt womöglich für immer ungeklärt, aber das Bild des Puzzles ist weitgehend fertig. Der Flieger ist aus 2000 bis 3000 Metern Höhe abgestürzt, erläutert Fried. Den Piloten hat es vermutlich in tausend Teile zerrissen. Das sei der Grund dafür, dass nichts näheres über dessen Identität ans Tageslicht gekommen sei. Bis Huber den Fall in die Hand nahm. Ihm berichteten Augenzeugen, das Flugzeug sei qualmend über das Dorf geflogen und dann in den Acker gestürzt. Es muss aber nach dem Aufprall noch gebrannt haben, denn sonst wären der verziegelte Untergrund und die kalzinierten Knochenreste nicht erklärbar, so Huber. Nicht nur das kam zum Vorschein: Die Forscher stießen in gut drei Metern Tiefe auch auf Teile des Motors, auf Reste eines Springerstiefels und eine verkohlte Filmrolle - ein Hinweis auf die Funktion des Piloten. All das wurde damals nicht geborgen, sondern in den Einschlagkrater geschoben, wo bislang darüber gepflüft wurde.

Die Untersuchung der Knochenteile nahm David Roath von der US Army in Washington in die Hand. Bei einem Treffen vergangene Woche bestätigte Roath, bei dem Piloten handle es sich zweifelsfrei um den britischen Wing-Commander Warburton. Dieses Treffen im Eglinger Rathaus, an dem auch die britische Presse vertreten war, hatte eine große Überraschung zur Folge: Ein Augenzeuge von damals war zu Gast und erzählte anschließend seinem Nachbarn von der Begegnung. Noch am selben Tag entdeckte dieser zu Hause ein Foto, das ein Soldat an jenem 12. April 1944 vor Ort geschossen hatte.

Im Mai 2003 soll Warburton auf einem Soldatenfriedhof am Tegernsee feierlich beerdigt werden.

Foto: privat

Ein Bild der Zerstörung bot sich am 12. April 1944 dem Soldaten, der das offenbar einzige Foto des qualmenden Flugzeugwracks bei Egling aufnahm.


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