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Kurzbiographie eines französischen Jagdflieger-Asses

© 2002 Patrick Sprau

Pierre H. Clostermann, das größte französische Jagdflieger-As des Zweiten Weltkriegs, wurde unter Kriegsteilnehmern und Zivilisten gleichermaßen zur lebenden Legende, sowohl aufgrund seiner beträchtlichen Abschußzahlen (laut seinen persönlichen Behauptungen 23 Siege) als auch aufgrund seines äußerst erfolgreichen Buches über seine Kriegserlebnisse, das unter dem Titel "Le Grand Cirque" (auf englisch: "The Big Show", auf deutsch "Die große Arena") 1948 zum ersten Mal veröffentlicht wurde.

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Ein Tempest-Pilot zu einem anderen: "Mit Clostermann brauchst Du Dir keine Sorgen machen, der ist vorsichtig; der trägt Hosenträger!"

Squadron Leader
Pierre Henri Clostermann
DFC (26.08.1944)
Balken zum DFC (28.05.1945)

* 28.02.1921 in Curitiba (Brasilien)

600 Flugstunden,
   davon 184h 30 min auf der Tempest
416 Einsätze, davon 322 Freie Jagd
34 Jabo-Einsätze
61 Einsätze gegen Züge
72 zerstörte oder beschädigte Lokomotiven
225 Fahrzeuge, etc…
33 bestätigte Luftsiege
12 wahrscheinliche Luftsiege
24 am Boden zerstörte Flugzeuge

Lebenslauf

Charakterzüge

Abschüsse

Clostermanns Flugzeuge

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Lebenslauf

© 2002 Patrick Sprau

Pierre Henri Clostermann wurde am 28. Februar 1921 um 20.45 Uhr in Curitiba, Brasilien, als einziger Sohn der Lothringerin Madeleine Carlier und dem Elsässer Jacques Clostermann geboren. Da er einerseits der Sohn französischer Eltern war und der Geburtsort andererseits in Brasilien lag, erhielt er sowohl die französische als auch die brasilianische Staatsbürgerschaft, die er bis zum heutigen Tag beide besitzt. Da sein Vater als Diplomat in Brasilien tätig war, verbrachte Pierre dort auch seine frühe Jugend.
Zur Ausbildung und Erziehung wurde er nach Notre-Dame de Boulogne - ein französisches Internat an der Porte d'Auteuil in Paris - geschickt. Die Familie seines Onkels Robert Aubry nahm sich, solange er in Paris war, seiner an, und es war auch sein Onkel, ein Fliegerveteran des Ersten Weltkriegs, der in Pierre den Keim für dessen Luftfahrtbegeisterung pflanzte.
Es sollte erwähnt werden, das Pierre zwar Englisch in der Schule lernte, was sich später als sehr praktisch erwies, nicht aber Deutsch (was sicher auch nützlich gewesen wäre), da sein Vater dies nicht wünschte.
In dieser Phase seines Lebens entwickelte Pierre auch bemerkenswerte Qualitäten als Erzähler von Abenteuergeschichten, die er sich selber ausdachte und mit denen er dann seine Mitschüler bei jeder möglichen Gelegenheit unterhielt.
Pierres allererster Flug ereignete sich 1935 am Lac de Biscarosse (See von Biscarosse) in Frankreich an Bord des Flugbootes "Lieutenant de vaisseau Paris", dessen Crew teilweise gut mit Jacques Clostermann befreundet war.

Nachdem Pierre sein baccalauréat (entspricht dem Abitur) in latin-sciences und sciences-langues erhalten hatte, kehrte er nach Rio de Janeiro, Brasilien, zurück, wo er sich auf ein weiteres baccalauréat in Philosophie vorbereitete und dieses auch bestand. Zu dieser Zeit, also um 1937, begann er, Flugstunden zu nehmen, denn er war damals fest entschlossen, Jagdflieger zu werden. Um sein Ziel zu erreichen, wollte er die französische Ecole de l'Air (Flugschule der französischen Luftwaffe) besuchen, aber Bewerber unter 20 Jahren wurden nicht zugelassen, also lernte er das Fliegen im Aéro-Club of Brazil auf dem Flugplatz von Manguinhos, nahe Rio, auf eigene Faust.
Der Aéro-Club besaß mehrere gute Maschinen für die Pilotenausbildung, wie zum Beispiel die Bücker Jungmann und die Jungmeister sowie die De Havilland Tiger Moth. Zu Pierres Ausbildern gehörte auch der Deutsche Karl Benitz, der mit Ernst Udet und dem Flugzeugkonstrukteur Fieseler befreundet war. Unter Benitz' Anleitung lernte Pierre zusätzlich zu seiner allgemeinen Ausbildung auch ein paar Kunstflugmanöver.
Da der Flugplatz von Manguinhos neben einer Müllhalde lag, gab es eine ganze Menge Geier in der Gegend, die eine Gefahr für jegliche Fliegerei darstellten. Einer der Geier, der in der Luft eine Auseinandersetzung mit der Luftschraube einer von Pierre geflogenen Jungmann hatte, verursachte die allererste Notlandung des späteren Asses, das keine andere Wahl hatte als mit dem Flugzeug geradewegs in ein paar Palmen zu donnern!
Um seine Finanzen etwas aufzubessern, begann Pierre, für die brasilianische Zeitung "Correio de Manha" zu schreiben. Langfristig entwickelte sich eine Freundschaft zwischen ihm und dem Herausgeber.
1938 siedelte Pierre nach Kalifornien in den U.S.A. über und begann, Flugzeugbau zu studieren, wobei er sich mit dem Abschluß den Ingenieurstitel erwarb. Er erhielt auch seine Schwingen als Berufspilot.

Bereits als der Krieg in Europa ausbrach bewarb sich Pierre als Jagdflieger in der Armée de l'Air (französische Luftwaffe), der Ausbildungsbeginn war für ihn aber erst im Juli 1940 vorgesehen. Mit dem Juli kam aber auch die Kapitulation vor den deutschen Truppen und mit ihr die Zweiteilung Frankreichs. Pierre entschloß sich daraufhin - teils auf Verlangen seines Vaters, teils aus eigener Überzeugung - die heile Welt der kalifornischen Strände zu verlassen und sie mit britischen Flugplätzen zu tauschen, um mit de Gaulles Freien Franzosen an der Seite der Britischen R.A.F. zu kämpfen. Wie aus Clostermanns Werken und aufgezeichneten Erinnerungen ersichtlich ist, empfand er starke Bewunderung für den Anführer der Truppen der Freien Franzosen, den er mehrmals persönlich traf, sowohl während als auch nach dem Krieg.
Nachdem er sich entschieden hatte, in den Krieg zu ziehen, reiste Pierre im Herbst 1940 von Kalifornien nach Brasilien, um persönliche Angelegenheiten zu erledigen, bevor er schließlich per Schiff Richtung Europa in See stach. Die Reise führte ihn von Montevideo, Uruguay, über Afrika nach Liverpool, Großbritannien. Nach seiner Ankunft im Vereinigten Königreich wurde er in die Forces Aériennes Françaises Libres (kurz F.A.F.L., die Freie Französische Luftwaffe) aufgenommen und zur Grundausbildung nach Camberley, einem Durchgangslager, und anschließend nach Sywell geschickt, wo er seine fliegerisches Können unter Beweis stellen mußte; er wurde als "überdurchschnittlich" beurteilt.
Deshalb wurde Pierre das Angebot gemacht, in der R.A.F. Karriere als Offizier zu machen, welches er gerne annahm. Als weiterer Schritt in Pierres militärischer Ausbildung wurde er zur britischen Flugschule in Cranwell geschickt, wo er den Kurs mit der höchstmöglichen Punktzahl abschloß!
Ende 1942/Anfang 1943 wurde er schließlich in Rednal, Wales, auf Spitfires Mk I und II eingewiesen - hier beginnt Clostermanns Bericht in "Le Grand Cirque" und auch - was noch wichtiger ist - seine lebenslange Freundschaft mit Jacques Remlinger.

Nachdem man Pierre in Rednal den "letzten Schliff" gegeben hatte, wurde er dem neu aufgestellten No. 341 "Alsace" Squadron der R.A.F., das in Turnhouse stationiert war und die Code-Buchstaben NL besaß, zugeteilt. Diese Einheit war ausschließlich aus Français Libres (Freien Franzosen) zusammengesetzt, wobei Pierre einer der ersten vier war, die zu ihr stieß. Kurz darauf wurde das Squadron nach Biggin Hill verlegt und wurde so Bestandteil der berühmten Biggin Hill Wing; das Squadron wurde mit Spitfires F Mk IX ausgerüstet.

Zu dieser Zeit konnte Biggin Hill mehrere große Flieger vorweisen, wie zum Beispiel Adolph "Sailor" Malan als Group Captain, Alan "Al" Deere als Wing Commander, und den Franzosen René Mouchotte als Commanding Officer der No. 341 Squadron.

Pierre erzielte am 27. Juli 1943 während seiner 22. Mission seine ersten Luftsiege, indem er zwei Fw 190 über Frankreich abschoß. Genau einen Monat später, am 27. August 1943, wurde Mouchotte nach einem Einsatz über Frankreich als vermißt gemeldet, was Pierre, der Mouchotte als dessen "Kettenhund" hätte decken sollen, diesen aber während des Luftkampfs verlor, in eine üble Situation brachte. Obwohl dieses unglückliche Ereignis Clostermanns Karriere nicht wirklich verdarb, so wurde es dennoch Pierre bei vielen Gelegenheiten zum Vorwurf gemacht. Erst nach dem Krieg konnte Mouchottes Leiche, die bei Middelkerke, einem belgischen Ort ungefähr 10 km westlich von Oostende, an die Küste gespült und dort begraben worden war, nach der Exhumierung von Clostermann selbst identifiziert werden. Gemäß Clostermanns Darstellung in "Une sacrée guerre!" bewiesen hierbei die gerichtsmedizinische Untersuchung sowie der Fundort der Leiche, daß Mouchotte mit Sicherheit nicht abgeschossen worden, sondern in der Nordsee ertrunken war, aller Wahrscheinlichkeit nach nachdem er aus seiner Spitfire aufgrund von Treibstoffmangel circa 250 km vor der Küste des Festlands hatte abspringen müssen.
Darüber hinaus sagt Clostermann in "Une sacrée guerre!", er glaube, Mouchotte sei aufgrund chronischer Erschöpfung ohnmächtig geworden oder eingeschlafen und habe sich, als er wieder aufgewacht sei, über der Nordsee und zu weit von der Küstenlinie entfernt wiedergefunden, als daß er das Land hätte erreichen können. Mangels Alternativen wäre Mouchotte dann wahrscheinlich abgesprungen und anschließend ertrunken.
Das Kriegstagebuch des JG 26 stellt die Ereignisse des 27. August 1943 anders dar, was der Beachtung verdient, da es diese Einheit war, die sich an diesem Tag den angreifenden alliierten Kräften entgegenstellten. Im zweiten Teil des Tagebuchs des JG 26, auf S. 144 steht zu lesen, daß Mouchottes Flugzeug vor der Küste von Dunkerque von Leutnant Radener, der damals Kapitän der 6./JG 26 war, abgeschossen wurde.
Interessant beim Vergleich der beiden Versionen bezüglich Mouchottes Tod ist, daß Dunkerque circa 35 km süd-südwestlich von Middelkerke liegt und mit diesem durch die französisch-belgische Küstenlinie verbunden ist. Deshalb wäre es möglich, daß die von Radener abgeschossene Maschine die eines anderen Jagdpiloten des No. 341 Squadron namens Margot war; er fiel beim selben Einsatz wie Mouchotte. Margots Leiche wurde in Dunkerque angespült, wohingegen Mouchotte am Strand von Middelkerke gefunden wurde, allerdings erst am 3. September 1943, eine Woche nach diesem schicksalshaften Einsatz über Frankreich!
Übrigens berichtet Alan Deere, der damals Wing Commander der Biggin Hill Wing war, in seinem Buch "Nine Lives" von einem anderen Mal, als um März oder April 1943 herum Clostermann als "Kettenhund" von Chris Martell flog und diesen dann im Luftkampf verlor; als unmittelbare Folge wurde Martell beschossen. Obwohl dieses erste Mal Clostermanns Fehler keine schweren Folgen nach sich zog und wenn auch Deere zugesteht, daß Clostermann noch nicht lange mit dem Squadron geflogen war, so stellt er doch zurecht fest, daß Clostermann die Grundregel, unter allen Umständen beim Kettenführer zu bleiben, verletzt hatte.

Als Konsequenz der Ereignisse vom 27. August 1943 durfte Pierre keine Einsätze fliegen, bis alles über die genauen Umstände des Zwischenfalls bekannt war. Nichtsdestotrotz errang Pierre einen weiteren Luftsieg über eine Me 109 auf einem Flug über Frankreich, der eigentlich der Radarkalibrierung diente.

Pierre, dem nach einem "Klimawechsel" zumute war, bat Malan und Deere, ihn zum No. 602 "City of Glasgow" Squadron, R.Aux.A.F., zu versetzen, wo zu diesem Zeitpunkt sein Freund Jacques Remlinger stationiert war. Bis zum 28. September 1943 waren alle Weichen gestellt und Pierre machte sich auf den Weg nach Carnaby (Bridlington), Yorkshire, wo das No. 602 Squadron zur Zeit beheimatet war. Das "City of Glasgow" Squadron könnte man als multi-nationale Einheit bezeichnen, denn sie war aus Schotten, Engländern, Iren, Neuseeländern,

Australiern, Südafrikanern, Belgiern, Franzosen und Kanadiern zusammengesetzt. Von der Spitfire LF Mk IX auf die Spitfire LF Mk Vb umzusteigen war für Pierre jedoch eine ziemliche Veränderung, und die Tieffliegerangriffe über Nordfrankreich waren nicht allzu sehr nach seinem Geschmack, während Remlinger darüber ganz anders dachte: der war, laut Clostermann, nur glücklich, wenn er auf Baumwipfelhöhe dahinfegen konnte. Die beiden wurden ein hervorragendes Team für Kampfeinsätze, bei denen sie ganz nach Belieben die Rolle von "Kettenführer" und "Kettenhund" unter einander tauschten.
Während seiner Zeit bei dem No. 602 Squadron begann Pierre damit, die Filme seiner Zielkamera zu sammeln, auch solche, auf denen gar keine Abschüsse aufgezeichnet waren, und da die Kamera mit dem ersten Schuß automatisch zu filmen anfing, besaß er schließlich Unmengen an Filmmaterial - dies brachte ihm den Spitznamen "Cameraman Pierre" ein.
Am 17. Januar 1944 wurde das No. 602 Squadron auf die Orkneys verlegt, um als Schutz für den wichtigsten Hafen der Royal Navy, Scapa Flow, zu dienen. Mit Spitfires HF Mk VII für Einsätze gegen hochfliegende deutsche Aufklärungsflugzeuge ausgerüstet, war Pierre Clostermann am 21. Februar 1944 Jacques Remlinger beim Abschuß einer Me 109 G behilflich. Ebenfalls zu dieser Zeit wurde Pierre als Luftwaffenverbindungsoffizier auf das Schlachtschiff "Richelieu" der Freien Franzosen versetzt, das auf einer Rußlandfahrt als Konvoi-Sicherung gegen die deutsche "Tirpitz" dienen sollte.
Nachdem das Squadron am 12. März 1944 nach Detling, Kent, verlegt worden war, ereignete es sich, daß Pierre über dem Ärmelkanal von einer Me 109 zwar abgeschossen wurde, er aber unverletzt aussteigen konnte und glücklicherweise ohne große Zeitverzögerung von einer R.A.F.-Barkasse aufgelesen wurde.

Während der Zeit um die Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 unterstützte das No. 602 Squadron die alliierten Bodentruppen und wurde bereits am 11. Juni 1944 auf dem Kontinent stationiert, wobei die Français Libres vom "City of Glasgow" (Aubertin, Clostermann und Remlinger) die ersten Flieger der Freien Franzosen waren, die ihren Fuß auf zurückeroberten französischen Boden setzten.

Im Juli 1944 wurde Pierre von der Front zurückversetzt und arbeitete fortan im Stab der R.A.F., aber er spürte bald wieder den Drang zu fliegen und zu kämpfen. Obwohl de Gaulle befohlen hatte, berühmte und erfolgreiche Flieger vom Kampfeinsatz zu verschonen, um sie für wichtige Aufgaben im befreiten Frankreich einsetzen zu können, fand Pierre einen Weg, seine Vorgesetzten dazu zu bringen, ihn eine weiteres Mal in den Einsatz zu schicken. Nachdem er Ende 1944 auf eine Schulung für Typhoons und Tempests nach Aston-Down beordert worden war, wurde Pierre zum No. 274 Squadron, das mit Hawker Tempest Mk V - der beste Jäger, den die R.A.F. damals besaß, wie manche meinen - ausgerüstet war, versetzt. Pierre befehligte den A Flight, aber nur für zwei Wochen, da innerhalb dieser 14 Tage die Verluste ein Ausmaß annahmen, daß das No. 274 Squadron zur Wiederaufstellung nach Großbritannien zurückverlegt werden mußte. Einige der Überlebenden des No. 274 Squadron, unter ihnen Pierre, wurden dem No. 56 Squadron des No. 122 Wing, dem ersten Wing, der vollständig mit Tempests ausgerüstet war, zugeteilt. Die Aufgabe des No. 56 Squadron bestand darin, Tiefflugangriffe auf Eisenbahnzüge im Norden Deutschlands durchzuführen, eine Art von Einsatz, die Pierre haßte; bei Kriegsende hatte er über hundert solcher Missionen geflogen, bei denen er mindestens 72 Lokomotiven und einige hundert Zuggarnituren angegriffen hatte.
Im Frühjahr 1945 übernahm Pierre das Kommando über das No. 3 Squadron, das, ebenfalls mit Tempests, von der holländischen Basis Volkel aus flog. Während er dieses Squadron befehligte, wurde er am 21. April 1945 zum dritten Mal im Krieg abgeschossen, diesmal von einer Fw 190 D-9 des JG 301, die vermutlich von Rudi Würff, selbst ein As mit 48 Abschüssen, geflogen wurde. Durch Zufall befand sich Clostermann über bereits von alliierten Truppen besetztem Boden und konnte deshalb zu seiner Einheit zurückkehren, nachdem er mit seiner Tempest ein Torfmoor umgepflügt hatte - er war, als sein Flugzeug beschädigt wurde, zu niedrig geflogen, als daß er hätte abspringen können!
Makabrerweise hatte Pierre seinen Flügelmann gebeten, ihm die Fw 190 D-9, die alleine flog, zu überlassen, indem er über Funk verkündete: "Leave it to me, it's a piece of cake!" ("Überlaß' den mir, mit dem habe ich leichtes Spiel!"). Laut Clostermann kostete ihn die Barrechnung an diesem Abend einen Monatssold.

Kurz darauf war der Krieg zu Ende, aber nur durch Glück überlebte Clostermann ihn für mehr als ein paar Wochen, da er in zwei Flugunfälle verwickelt war, bei denen er nur um Haaresbreite mit dem Leben davon kam. Bei einem dieser Unfälle, am 12. Mai 1945, kam Clostermanns komplette Rotte ums Leben - er war der einzige, der überlebte.

Pierre wurde im August 1945 als Leutnant der Reserve aus dem aktiven Dienst entlassen und zog sich für drei Monate zurück, um einen langen Angelurlaub zu machen. Erst als er nach Paris zurückkehrte, erfuhr er, daß das französische Luftfahrtministerium (Ministère de l'Air) ihn für tot gehalten hatte, da er so lange nichts von sich hatte hören lassen!

Nach dem Krieg war Clostermann bei Cessna und Dassault im Geschäftsvorstand beschäftigt und machte sich einen Namen als Politiker - er wurde achtmal als Député de l'Assemblée nationale (französischer Abgeordneter) gewählt. Desweiteren flog er eine weitere Einsatzperiode im Algerienkrieg und schrieb auch einige Bücher über sein Angelhobby.
Heute lebt er in Roussillon, Frankreich, am Fuße der Albères.

Charakterzüge

© 2002 Patrick Sprau

Abgesehen von den "harten Tatsachen" über Pierre Clostermanns Leben gibt es auch noch einige andere Aspekte, die ich beleuchten möchte, da sie im einen oder anderen Zusammenhang mit seiner Person genannt werden.
Ich halte es zum Beispiel für wichtig, daß Pierre ein großer Bewunderer von de Gaulle und seiner Sache, der Befreiung Frankreichs, gewesen zu sein scheint. Zu kämpfen, um Frankreich zu befreien, ist natürlich etwas, was wir von einem Flieger der Freien Franzosen erwarten würden, aber dennoch saßen die Wurzeln für Pierres Empfinden für de Gaulle tiefer als nur in ihrem gemeinsamen Ziel. In seinen Büchern berichtet Clostermann oft von de Gaulle und seinen Leistungen, und an diesen Textstellen schwingt stets eine gewisse Glorifizierung mit.
Desweiteren betont Clostermann in seinen Erzählungen immer, wie sehr er jene französischen Flieger mißbilligte, die erst dann den Kampf gegen die Achsenmächte aufnahmen, als ihnen keine andere Wahl mehr blieb, wie zum Beispiel in Teilen Nordafrikas. Eine Name, der in seinem Buch "Die große Arena" in diesem Zusammenhang auftaucht, ist der von Antoine de Saint-Exupéry. Pierre scheint sich für die Werke (unter anderen "Le Petit Prince") dieses französischen Schriftstellers und Fliegers zu interessieren, ist aber mit Sicherheit der Meinung, dieser habe erst spät im Kriegsverlauf mit dem Kampf für die gute Sache begonnen. Das ist besonders deshalb interessant, weil Clostermann in "Une Sacrée Guerre" feststellt, daß er selbst in der Tat darüber nachdachte, wie einfach doch alles sein könnte, wenn er im sonnigen Kalifornien bliebe, anstatt in den Krieg zu ziehen. Es kam also sicherlich zu Überlegungen, die der R.A.F. eines der größten alliierten Asse hätten vorenthalten können!
Wenn man jedoch das, was weiter oben geschrieben steht, mit in die eigenen Überlegungen einbindet, ist es mit Sicherheit angemessen, Clostermann einen Patrioten zu nennen!

Ein anderer von Clostermanns Wesenszügen ist ohne Zweifel der Geschichtenerzähler in ihm, was er nicht nur durch die Anzahl an Büchern, die er geschrieben hat, bestätigt, sondern auch dadurch, wie er seine Erlebnisse darin schildert. Ein aufmerksamer Leser wird in "Die große Arena" sicherlich mehrere Textstellen finden, in denen Pierre fröhlich berichtet, wie er sich selbst nicht zusammenreißen konnte und jedem dieselben Geschichten von seinen jüngsten Taten immer wieder von neuem erzählte! Sicherlich, manche Autoren von Luftfahrt-Fachartikeln und -büchern äußern Zweifel über den Wahrheitsgrad, der einigen von Clostermanns Erzählungen beigemessen werden kann, so zum Beispiel Bruno Buffetaut in seinem Artikel über die R.A.F. im Kampf gegen die Bedrohung durch die V-1, der in der Juli/August-Ausgabe 2001 - laufende Nummer 23 - des französischen Luftfahrtmagazins "Wing Masters" veröffentlicht wurde. Etwas neutraler hält hingegen der Abschnitt über Clostermann in dem Buch "Les pilotes de chasse français" ("Die französischen Jagdpiloten") einfach fest, daß Pierres Abschußzahlen ebensogut über als auch unter den von ihm beanspruchten gelegen haben mögen. Wie dem auch sei, er war auf alle Fälle ein äußerst erfolgreicher Jagdpilot, der Geschmack daran fand, seine Geschichten ausführlich zu erzählen.
Als ich "Le Grand Cirque" las, bekam ich jedoch den Eindruck, daß Clostermann darauf achtete, daß er sich selbst in seinen Texten als jemand darstellte, der stets tadellose Arbeit leistete und niemals irgendwelche Fehler beging. Wie vorher erwähnt, muß der Mouchotte-Zwischenfall aber nicht notwendigerweise zugunsten Clostermanns betrachtet werden. Ein weiterer Punkt, der meine These unterstützt, ist, daß Clostermann in "Le Grand Cirque" nicht von einem der drei Male, die er abgeschossen wurde, berichtet. Er erzählt nur über die Notlandungen, die er durchführen mußte (die sicherlich eine ziemliche Leistung waren!). Es sollte jedoch angemerkt werden, daß Clostermann in "Une sacrée guerre!", das mehr oder weniger eine Ergänzung zu "Le Grand Cirque" darstellt, ein bißchen bescheidener, und darüber, daß er abgeschossen wurde, offener ist.

Abschüsse

© 2002 Patrick Sprau

Es gibt keine einfache Antwort auf die Frage, wie viele Abschüsse Clostermann tatsächlich errang. Wie die meisten, die diesen Artikel lesen, wissen werden, hatten die Alliierten verschiedene Systeme, Luftsiege anzuerkennen, was vermutlich eine der Hauptursachen für all das Durcheinander bezüglich Clostermanns Abschußzahlen ist, da sowohl die R.A.F. als auch die Freie Französische Luftwaffe sich für Clostermanns Leistungen interessierten.

Als ich diesen Artikel zu schreiben begann, stellte ich mir unter Clostermann ein As mit 33 Luftsiegen vor, und das war auch schon alles. Jetzt, wo der Artikel so gut wie fertig ist, weiß ich wesentlich mehr, aber gerade die Anzahl an Abschüssen, die dieser Pilot erzielte, ist ein wahres Rätsel für mich. Jede Quelle, die ich gelesen habe, nannte andere Zahlen, aber es scheint, als tauchten 33 Abschüsse, welcher Art auch immer, hier und dort auf.
Wie auch immer, um einen Leitfaden zu haben erscheint es sinnvoll, sich sowohl die britische Sichtweise vor Augen zu führen als auch zu lesen, was Clostermann selbst in "Le Grand Cirque" dazu zu sagen hat:

In einem Auszug aus Clostermanns zwei DFC-Verleihungsurkunden, den man sich im Internet unter http://koti.mbnet.fi/~jjuvonen/pilots_eng/cloclo_letter_eng.html ansehen kann, ist zu lesen, daß die britischen Behörden 23 Luftsiege anerkannten. Clostermann fügt in diesem Artikel hinzu, daß er selbst nie mehr als das verlangt hat.
In einem Kapitel des Anhangs von "Le Grand Cirque" werden Clostermanns Abschüsse anders aufgelistet. Sie summieren sich letztendlich zu 33 Luftsiegen und 24 oder mehr am Boden zerstörten Flugzeugen sowie zu 12 beschädigten und/oder wahrscheinlich abgeschossenen Feindflugzeugen.

Letztlich erscheint es nicht sinnvoll, über Clostermanns Erfolge zu streiten, da es keine endgültige Antwort geben wird. Jedoch werden in der am Ende dieses Artikels aufgelisteten Bibliographie einige Referenzen genannt, die sicherlich ein interessantes Licht auf diese Angelegenheit werfen.

© 2002 Patrick Sprau

Bibliographie

Bücher:
Le Grand Cirque, Pierre H. Clostermann, Flammarion 1948
Une Sacrée Guerre, Pierre H. Clostermann, Flammarion 1990
Nine lives, Alan Christopher Deere, Erstausgabe 1959, 1999 Wiederauflage als Taschenbuch

Zeitschriften:
"Wing Masters" N° 1, Ausgabe November/Dezember 1997, Französisches Luftfahrtmagazin
"Wing Masters" N° 23, Ausgabe Juli/August 2001, Französisches Luftfahrtmagazin

web-sites:
http://user.tninet.se/~ytm843e/closterm.htm
dieser Artikel ist vorallem wegen der Auflistiung von Clostermanns Tempest-Siegen interessant

http://perso.club-internet.fr/moinier/histoire/hommes/closterm.html
dieser Artikel ist auf französisch und enthält eine zweiseitige Clostermann-Biographie

http://frenchaces.free.fr/les_as/pilotes/clostermann.html
dieser Artikel - ebenfalls auf französisch - beansprucht für sich, alle Siege Clostermanns aufzulisten. Naja, dazu habe ich ja schon vorher was gesagt, oder?

http://koti.mbnet.fi/~jjuvonen/pilots_eng/cloclo_letter_eng.html
diese web-site zeigt einen Brief von Clostermann an einen gewissen Neil (von der Zeitschrift "Scale Aircraft Modelling"?), der einen netten Einblick in die Probleme des "Abschuß-Zählens" gibt. Dieser Brief läßt mich auch glauben, daß Clostermann nicht mit dem DSO ausgezeichnet wurde, auch wenn oft anderes behauptet wird. Gebt mir Bescheid, wenn ich mich irre!

http://freespace.virgin.net/ross.marven/2_99_p3.htm
diese web-site ist für den Modellbauer gedacht, da es sich mit einem 1:72-Naßschiebebilderbogen von Carpena beschäftigt, der die Darstellung von vier von "Cloclos" Spit's gestattet, wobei zwei davon meiner Meinung nach wirklich selten sind!

© 2002 Patrick Sprau


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